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Eigene Mandate & Fallbeispiele

Eigene Mandate: Fallbeispiele aus meiner Kanzlei

In den unten aufgeführten Fallbeispielen habe ich selbst die Mandanten und Mandantinnen vertreten, alle Texte wurden von mir selbst verfasst. Bei den Fotos handelt es sich um Symbolbilder von Fotolia.de.
 

Gynäkologischer Fall, Frühgeburt von Zwillingen

2017 - gerichtlicher Vergleich: Zahlung 470.000 EUR

Es ging um eine Frühgeburt als Folge eines Behandlungsfehlers. Betroffen waren neben
der Mutter ihre Zwillinge.
 
Die Mutter der Zwillinge war in der 23. Woche mit Zwillingen schwanger. Bis dahin
war es eine unkomplizierte Zwillingsschwangerschaft. Auch die Feindiagnostik bestätigte, dass
es sich um 2 gesunde Kinder handelte. Die Mutter stellte sich dann mit starken Schmerzen
in der Leiste im beklagten Krankenhaus vor. Es erfolgte eine Untersuchung. Man ging davon
aus, dass eventuell ein Eileiter verklemmt sei und operierte die Mutter.
 
Es wurde eine Endoskopie durchgeführt. Zunächst versuchte man diese durch die Seite, was
nicht gelang. Dann führte man die Endoskopie durch den Bauchnabel durch. Hierbei
wurde der Uterus und die Fruchtblase des einen Zwillings beschädigt. Es erfolgte eine zweite
OP weil die Naht ein Stück aufgegangen war. Die Mutter hatte starke Schmerzen.
 
Letztlich wurden die Zwillinge in der 26. Woche per Kaiserschnitt entbunden, da ein
weiteres Abwarten nicht mehr möglich war, da die Fruchtblase nun komplett
aufgegangen war. Ein Zwilling wog 996 g. Der andere Zwilling wog 1.091 g.
Beide haben natürlich Schäden durch die viel zu frühe Geburt mitbekommen Bei einem
war die Lunge nicht voll entwickelt. Der andere hat eine Kopfdeformität wegen der
schlechten Lagerung, die wegen der vielen Schläuche nur eingeschränkt möglich war,
und trug eine entsprechende Kopforthese. Zudem musste er am Herzen operiert werden.
Die Augen mußten gelasert werden, da sich die Netzhaut sonst abgelöst hätte.
 
Wie die geistige Entwicklung weiterhin sein wird, bleibt abzuwarten. Eine
Entwicklungsverzögerung war aber gegeben. Beide besuchten in einer
Kindertagesstätte eine Integrationsgruppe. Sie wurden zudem relativ spät eingeschult. Geistig
behindert waren sie aber nicht.
 
Behandlungsfehler
 
Es gab mehrere MdK – Gutachten, die sämtlichst Behandlungsfehler bestätigten. Danach
wurde die OP nicht fachgerecht durchgeführt. Es kam  behandlungsfehlerhaft zu der
Verletzung der Fruchtblase.
 
Es erfolgte nämlich ein blindes Einstechen des Optiktrokars, was niemals hätte
durchgeführt werden dürfen. Hier hätte die offene Laparoskopie durchgeführt werden
müssen.
 
Schaden
 
Bei standardgerechter Behandlung wäre der Behandlungsverlauf so nicht eingetreten.
Die Folgen waren:
 
-die viel zu frühe Entbindung der Zwillinge
-und dadurch bedingte Entwicklungsverzögerung sowie die bereits oben
benannten weiteren Behandlungsnotwendigkeiten aufgrund der gravierenden
Gesundheitsstörungen, die im gesamten Ausmaß auch für die Zukunft noch nicht gänzlich zu
eruieren sind
-die zweite OP für die Mutter, als die Naht nochmals genäht werden musste,
- die beeinträchtigte Psyche der Mutter
- die OP des einen Zwillings.
 
Problematisch war der Nachweis der Kausalität, da nicht gesagt werden konnte, dass diese
Schäden nicht auch bei fachgerechter Behandlung eingetreten wären.
 
Alle Gutachter (auch der Gerichtsgutachter) bestätigten aber einen groben Behandlungsfehler,
der zur Umkehr der Beweislast geführt hat. Zwar handelte sich die Frühgeburt als solche
nicht um einen Primärschaden (das war die Verletzung des Uterus), jedoch um einen nahe
gelegenen Sekundärschaden, auf den sich die Beweislastumkehr noch ausdehnte.
 
Gerichtlich verglichen wir uns auf eine Zahlung jeweils für einen Zwilling i.H. von
220.000 EUR und für die Mutter auf eine Zahlung i.H. von 30.000 EUR (= 470.000 EUR).
 
 
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